Geschichte des Buches, Teil 3: Unser Alphabet

Die älteste Schrift entstand 3.300 v.Chr., dicht gefolgt von den Hieroglyphen 3.000 v.Chr. Die Keilschrift der Mesopotamier, die wunderschönen Hieroglyphen und auch die chinesischen Schriftzeichen unterscheiden sich allerdings gegenüber den Alphabetschriften, die wir auch heute nutzen, grundlegend. Woher stammen also unsere heutigen Buchstaben, mit denen Autoren unsere geliebten Geschichten aufschreiben?

Was sind Alphabetschriften?

Die ältesten Schriften haben gemein, dass sie aus vielen hundert bis tausend Zeichen bestehen, da jedes Zeichen für ein Wort oder eine kleine Wortgruppe steht. Es ist sehr langwierig, diese Schriften zu lernen, und beinahe utopisch, auch wirklich alle Zeichen sicher zu beherrschen.

Alphabetschriften hingegen bestehen aus sehr wenigen Zeichen, meistens zwischen 20 und 40. Von diesen Zeichen steht jedes für einen bestimmten Laut. Je nachdem, wie diese Zeichen zusammengesetzt werden, kann jedes Wort einer Sprache aufgeschrieben und vom Leser verstanden werden, ohne dass ein mehrjähriges Studium vieler tausend Schriftzeichen notwendig ist. Auch unbekannte Worte können so aufgeschrieben und vom Leser richtig gelesen und ausgesprochen werden.

Wann entstand das erste Alphabet?

Einen genauen Entstehungszeitpunkt gibt es nicht, aber das bisher älteste bekannte Alphabet wird auf etwa 1.700 bis 1.500 v.Chr. datiert. Soweit es sich heute rekonstruieren lässt, gehören die auf etwa 1.700 v.Chr. datierten Funde zu einer westsimitischen Sprachform. Dieses Alphabet bestand aus 23 Zeichen.

griechisches AlphabetUngefähr 1.500 v.Chr. entstand an der syrischen Küste in Ugarit durch eine Vermischung verschiedener Sprachen ebenfalls ein Alphabet. Heute wird vermutet, dass dieses Alphabet der Vorgänger des phönizischen und damit aller europäischen Alphabete war. Verbreitet hat sich das phönizische Alphabet insbesondere, weil die Phönizier erfolgreiche Seefahrer und Händler waren, die ein großes Netzwerk an Handelspartnern besaßen.

Die Verwandtschaft unserer europäische Alphabete zu dem der Phönizier erkennt man übrigens weniger an ähnlichen Zeichen, sondern eher daran, dass die Lautreihenfolgen sich sehr gleichen.

Das indische Alphabet entstand erst deutlich später, nämlich zwischen 800 und 600 v.Chr.

Die Reise des Alphabets geht weiter

Etwa 1.100 v.Chr. übernahmen die Griechen das Alphabet. Dabei ersetzten und ergänzten sie zwar einige Zeichen, aber der Ursprung ihres Alphabets war noch erkennbar. Dank der Griechen setzte sich auch durch, dass von links nach rechts statt umgekehrt geschrieben wird. Über einige Umwege entstand aus dem griechischen Alphabet das römische im 7. Oder 6. Jahrhundert v.Chr. Aus diesem lateinischen Alphabet wiederrum entstand über mehrere Entwicklungsschritte unser heutiges Alphabet mit seinen 26 Zeichen.

Alphabet aus RunenDie Germanen besaßen verschiedene Runenalphabete, die heute recht gut bekannt sind. Der Ursprung ist allerdings nicht gänzlich geklärt, so dass es heute verschiedene Thesen dazu gibt. Aber die Forscher sind sich einig, dass die Germanen ihre Alphabete weder vollständig selbst erfanden, noch fertige Alphabete von anderen Völkern oder Kulturen übernommen haben. Vermutlich sahen sie das Prinzip und den Nutzen von Alphabeten und entwickelten daraus ihre eigenen. Der älteste nachgewiesene Beleg für Runen wurde auf der Halbinsel Jütland gefunden und in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts n.Chr. datiert.

Und unsere Buchstaben…?

Den Begriff „Buchstabe“ haben wir von den Germanen geerbt. Es wird vermutet, dass das Wort durch die Runenstäbe aus Buche, in welche Runen geritzt wurden, entstand.
Vielleicht etwas wahrscheinlich ist allerdings, dass „Stabe“ sich auf den kräftigen senkrechten Strich der Runen bezieht. „Buch“ als Bezug zur Buche wird außer Acht belassen, da das Wort „Buchstabe“ nur für in Büchern verwendete römische Schriftzeichen, nicht für in Holz und Knochen geritzte Runen verwendet wurde.

Woher der Begriff „Buchstabe“ aber auch kommt – ohne Alphabete wäre unsere Schrift unendlich komplizierter und dass jeder ein Buch schreiben und lesen könnte sehr unwahrscheinlich.

photo credit: This probably says „Suzy has a big butt“ by Ted Drake via photopin cc
photo credit: fragment of rune stone by mararie via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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