Stereotyp oder Archetyp?

Du weißt, was ein Stereotyp ist. Das ist der knallharte Privatdetektiv mit Dreitagebart, der Whiskey trinkt und in seinem versifften Büro schläft, bis eine heiße Blondine kommt und ihm einen Auftrag gibt. Oder der eiskalt kalkulierende Banker, der weniger Mitgefühl für seine Mitmenschen hat als ein durchschnittlicher Backstein und für den nur der Profit zählt. Dir fallen sicherlich hunderte dieser Beispiele ein.
Stereotypen sind insbesondere eines: Furchtbar langweilig und vorhersehbar. Sie können die beste Geschichte ruinieren und bleiben dem Leser nicht im Gedächtnis, sollte er das Buch dennoch lesen. Aber wie erschafft man spannende Charaktere, wenn es doch irgendwie alles schon einmal gab? Indem man auf Archetypen zurückgreift.

Was ist ein Archetyp?

Der Privatdetektiv als typischer StereotypAm besten lässt sich diese Frage im Vergleich zwischen Stereotyp und Archetyp beantworten.
Im Gegensatz zum Stereotyp, der ein oberflächliches Klischee ist, geht ein Archetyp deutlich mehr in die Tiefe. Der Stereotyp ist festgelegt auf eine bestimmte Rolle: Der Privatdetektiv, der Banker, die heiße Blondine, die intrigante Ehefrau. Abseits dieser Rolle funktioniert der Stereotyp nicht, das heißt das, was den Charakter ausmacht, liegt nur in der Funktion seiner Rolle begründet. Würde ein Autor den besagten Privatdetektiv auf einer einsamen Insel aussetzen, würde er nicht mehr funktionieren.

Der Archetyp hingegen bezieht sich auf die Persönlichkeit des Charakters und steht für bestimmte Eigenschaften. Deshalb funktionieren Archetypen in quasi jeder Rolle: Der Archetyp „Herrscher/ Anführer“ kann sowohl ein Firmenboss sein, als auch der Führer eines Familienclans, ein Feldherr in einer Fantasywelt oder der Bürgermeister einer Kleinstadt. Für diesen Archetypen ist entscheidend, dass er eine Gruppe von Menschen führen kann (oder alles versucht, um dies zu erreichen), nicht welchen exakten Beruf er ausübt.

Der Archetyp funktioniert – der Stereotyp nicht

Die Geschichte und Literatur ist voller Archetypen. Deshalb können große Geschichten mit minimalen Anpassungen in andere Settings übertragen werden: Das, was die Spannung ausmacht, liegt in den Charakteren und wie sie zueinander stehen. Ein schönes Beispiel: „Gefährliche Liebschaften“ und „Eiskalte Engel“.

Wenn Du Dich in der Literatur, Filmen und Serien umschaust, wirst Du einigen Charakteren begegnen, die im Grund sehr ähnliche Eigenschaften haben, aber dennoch sehr verschieden und individuell sind. Das sind z.B. die Kämpfer, die bereit sind, jeden Kampf zu führen, um diejenigen zu schützen, die ihnen nahestehen. Oder diejenigen, die nicht emotional, sondern rein rational handeln, um ein Problem effizient zu lösen. Sie sind spannend, weil ihre Konflikte echt sind, und ihre Handlungen und Entscheidungen in ihrer Persönlichkeit begründet liegen. Ein Stereotyp kann das nicht.

Niemand mag einen Stereotyp

Ein Stereotyp ist wie Fastfood. Manchmal hat man Lust drauf und kauft es sich, aber an ein wirklich gut gekochtes Essen kommt es eben nicht heran. Manchmal möchte man einen schlechten Detektivroman mit dem whiskeytrinkenden Stereotyp als Detektiv lesen. Aber wirklich erinnern wird man sich an den Roman mit dem jungen Detektiv, der ein kurzsichtiger Hänfling ist und es durch Geschick und Klugheit schaffen muss, mit grobschlächtigen Schlägern fertig zu werden; oder an den Krimi mit der alleinerziehenden Mutter, die nicht nur den Alltag um ihre Zwillinge organisieren, sondern auch noch einen Mordfall in ihrer Heimat aufklären muss.

Ein Stereotyp ist schlichtweg langweilig und austauschbar. Meistens misslingt sogar der Versuch, einen Stereotyp durch besondere Charaktereigenschaften tiefgründiger zu machen, da es sehr krampfhaft wirkt. Sicher kann man dem besagten Privatdetektiv die heimliche Leidenschaft geben, Geige zu spielen oder klassische Musik zu hören, aber wird er dadurch spannender? Eigentlich nicht, denn es hat nichts mit der Geschichte zu tun, um die es geht.

Ehe es an die Vergabe von Hobbys und Vorlieben geht, um den Stereotyp spannender zu machen, muss seine Persönlichkeit aufpoliert werden: Was ist sein Ziel, was ist seine größte Furcht, was ist seine größte Hoffnung? Was gefällt ihm, was gefällt ihm nicht, und warum? Wie tickt er im Alltag? Wenn Du weißt, was die Grundbedürfnisse eines Charakters sind, kannst Du anfangen, ihn mit Hobbys auszustatten.

Bist Du schon über einen Stereotyp gestolpert, der eine eigentlich gute Geschichte ruiniert hat? Dann erzähl uns davon! Wir freuen uns auf Dein Kommentar.

photo credit: 111a Private Detective Canada Dec-1942 Includes Tell It to the F.B.I. by E. Hoffmann Price by Will Hart via photopin (license)

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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