Was macht eigentlich ein Lektor?

Nein, nicht Hannibal Lecter, auch wenn der Name ähnlich klingt und mancher Autor das Gefühl hat, der Lektor würde sein Buch zerfleischen.
Gemeint ist der Beruf Lektor, der aus der Buchbranche nicht mehr wegzudenken ist. Denn auch sehr guten Autoren kann ein geübter Blick von außen helfen, ihre Bücher noch weiter zu verbessern. Deshalb profitieren auch Selfpublisher von der Zusammenarbeit mit einem Lektor.

Aber ich kann doch schreiben!

Klar, und das bestreitet auch niemand. Aber auch der beste Autor wird irgendwann betriebsblind. Dann übersieht er z.B. Logikbrüche („Wie kann der Protagonist das alles innerhalb von zwei Stunden schaffen, wenn er alleine für die Fahrt schon 90 Minuten braucht?“). Oder aber er braucht jemanden, der ihn daran erinnert, dass auch sein Lieblingscharakter Schwächen braucht und mal dumm aussehen sollte.
All das kann man mit sehr viel Erfahrung und Selbstdisziplin vielleicht mehr oder weniger auch alleine leisten, aber ein frischer Blick von außen wirkt meist Wunder in einem Manuskript. Ein guter Lektor hilft, den Kern der Geschichte noch mehr herauszuarbeiten und zeigt ehrlich Schwächen auf. Freunde und Familie sind oft gehemmt, das große Werk zu kritisieren oder haben nicht das nötige Fachwissen, um sich tiefergehend mit den Mechanismen eines spannenden Buches auseinandersetzen zu können.

Die Arbeit eines Lektors

Ein Lektor korrigiert Dein Manuskript

Für den Autor ist es natürlich schockierend, wenn er sein Manuskript einem Lektor gibt und es voller Korrekturen und Anmerkungen wiederbekommt. Nichts scheint so bleiben zu dürfen wie es war, alles muss geändert werden. Ehe sich der Autor zu sehr darüber ärgert, sollte er sich bewusst machen, dass ein Lektor nur seinen Job getan hat und keinen Grund hat, ein Manuskript „zu zerreißen“.
Ein Lektor wird pro Normseite bezahlt, egal, ob er 3 oder 30 Anmerkungen macht. Wenn das Buch veröffentlicht wird, dass er lektoriert hat, wird er keine Lorbeeren dafür ernten, selbst wenn es ohne ihn niemals in den Druck gekommen wäre. Viele Kommentare und Verbesserungsvorschläge heißen also insbesondere, dass ein Lektor mit Leib und Seele dabei und deshalb sein Geld auch wert ist.

Der Unterschied zwischen Lektor und Korrektorat

Beim Korrekturlesen werden nur Grammatik- und Rechtschreibfehler korrigiert und Satzzeichen verbessert. Auch die Formatierung geht er an. Inhaltlich rührt der Korrektor das Buch also nicht an, oben aufgeführte Logikbrüche und Schwächen werden von ihm also nicht angesprochen.
Ein Lektor hat ein wesentlich breiteres Aufgabenfeld. Ein Manuskript überprüft er auf inhaltliche Richtigkeit, Logikbrüche und Stil. In einem Verlag muss der Lektor eingehende Manuskripte beurteilen, Buchreihen vermarkten und sich um Klappentexte, Lizenzen und Übersetzungen kümmern.
Bei freiberuflichen Lektoren können diese beiden Aufgabenbereiche zusammenfallen. Wenn der genaue Umfang der Tätigkeit des Lektors unklar, sollte man auf jeden Fall nachfragen.

Brauchen Selfpublisher einen Lektor?Ein guter Lektor ist ehrlich und gnadenlos

Ja. Denn ein Selfpublisher ist fast noch mehr als ein Autor in einem klassischen Verlag von der Qualität seines Buches abhängig: Rechtschreib- oder Logikfehler führen schnell dazu, dass ein Leser das Buch zur Seite legt und nie wieder etwas von diesem Autor kauft. Da er keinen Verlag hat, der Werbung für ihn macht, ist ein Selfpublisher von seinem Ruf und dem seiner Bücher abhängig.
Der Nachteil ist natürlich, dass ein Lektor Geld kostet. Da die Bezahlung meist pro Normseite berechnet wird, kann dies gerade bei langen Manuskripten schnell teuer werden. Auf der anderen Seite verkaufen sich gut lektorierte Bücher meist wesentlich besser, so dass die Chance besser ist, dieses Geld später wieder einzunehmen.

Den richtigen Lektor finden

Wenn Du unsicher bist, ob Du Dich für einen Lektor entscheiden solltest, vereinbare eine Probearbeit. Auch, wenn es grundlegend Deinem Manuskript nicht bei allgemeinen Logikproblemen hilft, wenn der Lektor es nur kapitelweise zu sehen bekommt, kannst Du Dich mit solch einem Probeartikel mit seiner Arbeitsweise vertraut machen und Ihr beide seht, ob Ihr zueinander passt.
Frage auch andere Autoren, die mit Lektoren zusammenarbeiten, nach ihren Erfahrungen und Empfehlungen. Vielleicht zeigen sie Dir sogar ein paar lektorierte Seiten eines Rohentwurfs, so dass Du Dir ein genaueres Bild machen kannst.

Hast Du schon Erfahrungen mit einem Lektor gemacht? Dann erzähl uns davon! Wir freuen uns auf Dein Kommentar.

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photo credit: Day 318: Blood, Sweat, and Tears by Quinn Dombrowski via photopin (license)

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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