Hamburger Deerns: Ein Interview mit Frieda Lamberti

Frieda Lamberti hat als Indie-Autorin eine Nische gefunden, die bisher kaum besetzt ist: Bücher über starke Frauen, die auch älter als die magische 30 sind. Ihre Bücher sind frisch und lebendig geschrieben und nicht nur für Frauen lohnenswertes Lesefutter.

In diesem Interview stellt Frieda sich uns vor und plaudert aus dem Nähkästchen über das Leben als Autorin und von Lust und Frust beim Veröffentlichen von eBooks ohne Unterstützung durch einen Verlag. Wer beim Lesen neugierig auf ihre Bücher geworden ist, wird hier fündig.

Liber Laetitia: Hallo Frieda. Wie würdest Du Dich den Lesern von Liber Laetitia vorstellen? Seit wann schreibst Du, und was hat Dich zum Schreiben gebracht?

Frieda: Ich bin ein absoluter Neuling unter den Indie-Autoren. Meine Geschichten schreibe ich erst seit zwei Jahren und veröffentlichte meine Bücher seit Sommer 2013 neben meinem Hauptberuf als Kosmetikherstellerin. Es hat lange gedauert, bis ich meinen eigenen Stil gefunden habe. Schließlich habe ich mich entschieden, mich auf das zu konzentrieren, was mich selbst interessiert. Reale Geschichten über starke Frauen aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Und auch über Frauen jenseits der 50. Denn zu meinem Ärger finden diese in Filmen und Büchern kaum statt (Ich bin gerade 53 geworden!!).

Um das zu ändern, habe ich meinen Debüt-Roman Ausgeflittert geschrieben. Ein Fortsetzungsroman, der mittlerweile auf mehr als 700 Taschenbuchseiten nachzulesen ist und als Printausgabe und ebook bei amazon veröffentlicht wurde. Zunächst mit mäßigem Erfolg. Erst als ich den Titel und das Cover geändert und an den kostenlosen Werbemaßnahmen teilgenommen hatte, rutschte ich mit dem Titel in die Top 100 in der Rubrik Belletristik/Humor. Es folgten Kurzromane, sogenannte Liebeskrimis, die mir eine Menge Zuspruch auf Facebook bereitet haben.

Es waren nicht die Bewertungen bei amazon, sondern die persönlichen Mails von Lesern und Leserinnen, die mich ermutigt haben, weiter zu schreiben. Mittlerweile bin ich eine hauptberufliche Autorin und habe den schönsten Beruf der Welt.

Liber Laetitia: Deine Bücher gibt es auch als eBooks zu kaufen. Welche Erfahrungen hast Du bei der Veröffentlichung von eBooks bisher gemacht?

Frieda: Ganz wesentlich ist die richtige Zuordnung des Genres. Und damit fängt die Schwierigkeit an. Meine Bücher sind schwer zu klassifizieren. Sie sind eine Mischung aus Zeitgenössischer Literatur, Humor, Liebesroman, Drama und Krimi. Obwohl Krimi es nicht zu hundert Prozent trifft. Denn meine Geschichten kommen ohne Mord und Polizeiermittlungen aus. Leider bieten die Rubriken bei amazon nicht die Möglichkeit, eine wirklich treffende Kategorie auszuwählen. In Humor, wo ich mich eigentlich zu Hause fühle, tümmeln sich seit geraumer Zeit erotische Kurzromane. In der Rubrik Dramatik finden sich waschechte Thriller und Krimis.

Da es aber für den Erfolg eines Buches so entscheidend ist, welchen Ranking-Platz ein Buch innerhalb einer Kategorie erhält, wünsche ich mir, dass die Bücher vom Betreiber der Plattform auf die richtige Zuordnung des Genres genauer überprüft werden. Letztendlich, und das ist bitter, entscheidet der Preis über den Erfolg eines Buches. Ein Blick in die Bestsellerlisten macht klar, dass viele Werke unter 1 Euro verkauft werden. Denn nur die Menge der verkauften Bücher entscheidet über den Ranking-Platz – nicht über den Buchinhalt und schon gar nicht über den Gewinn.

Trotz guter Verkäufe bleibt dem Herausgeber/Autor wenig finanzieller Spielraum für professionelle Unterstützung. Ein Korrektorat, geschweige denn ein Lektorat ist mit diesen geringen Umsätzen nicht zu finanzieren. So bleibt die Hoffnung, dass der Leser wenigstens den Aufwand für diese Schnäppchen-Bücher in seinen Bewertungen honoriert. Aber das ist Wunschdenken. Gerade Leser, die aufgrund einer Werbemaßnahme einen kostenlosen Download erhalten haben, bewerten bitterböse mit 1 oder 2 Sternen.

Liber Laetitita: Hast Du neben Amazon auch Erfahrungen mit anderen Plattformen gemacht, über die eBooks verkauft werden? Was hat Dich von Amazon überzeugt?

Frieda: Es führt kein Weg an amazon vorbei. Auf dieser Plattform habe ich bisher die meisten Bücher verkauft und verliehen. Meine Entscheidung, mich ab sofort exklusiv an amazon zu binden, ist mir nicht schwer gefallen. Allein die Bücher, die über das KDP [Kindle Direct Publishing, Anm. Liber Laetitia]-Programm verliehen werden, übertreffen die Zahl der Buchverkäufe auf anderen Plattformen. Außerdem ist die Abrechnung immer transparent, fair und pünktlich. Mit den Tools, die amazon zur Verfügung stellt, ist es jederzeit möglich, schnell und einfach Änderungen vorzunehmen.

Liber Laetitia: Welche Vor- und Nachteile hat Amazon, sowohl für Autoren und Selfpublisher als auch für Leser, die nach neuen Büchern suchen?

Frieda: Ein wesentlicher Nachteil für Autoren ist, dass Leser/Käufer von ebooks, das Recht zur Rückgabe haben. Grundsätzlich finde ich dieses Angebot sehr verbraucherfreundlich. Wenn ich allerdings feststelle, dass die letzten Folgebände meiner Romanreihen zurückgegeben werden, kommt mir die Idee, dass das Buch wohl gefallen hat (Warum sonst kauft der Leser alle nachfolgenden Ausgaben), aber letztendlich doch mal wieder nur ein Schnäppchenjäger unterwegs war. Diese Retouren ärgern mich, auch wenn sie nur 1% der Buchverkäufe ausmachen. Ich kann doch auch die Tageszeitung nicht am Kiosk zurückgeben, nur weil mir die Nachrichten nicht gefallen haben.

Aus Lesersicht, wünsche ich mir von amazon eine striktere Zuweisung der Genres. Wünsche ich ein Buch mit erotischen Inhalten, dann möchte ich in der Rubrik Erotik fündig werden. Auch wenn es zutrifft, dass Sex sells. Aber dieses Vorgehen manipuliert die Verkaufsränge und hat unappetitliche Ähnlichkeiten mit dem aktuellen ADAC-Skandal. Wer legt denn heute noch Wert auf den Gelben Engel.

Liber Laetitia: Vielen Dank für das Interview!


Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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2 Gedanken zu „Hamburger Deerns: Ein Interview mit Frieda Lamberti

    1. Hallo Ulla,

      ich fand Friedas Antworten auch sehr spannend und bin sehr dankbar, dass sie damit uns allen die Möglichkeit gibt, sie und ihre Arbeit etwas näher kennen zu lernen. Vielen Dank für die Verlinkung 🙂

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