Fanfiction: Bestseller-Potential oder Urheberrechtsverletzung?

Fanfiction, also Geschichten von Fans mit ihren Lieblingscharakteren aus Film und Buch, kennt jeder. Früher waren sie eher ein Netzphänomen, das übermäßig begeisterte Teenager geschrieben und verschlungen haben, doch spätestens seit dem wahnsinnigen Erfolg von 50 Shades of Grey sind sie auch in den Bestsellerlisten und sogar als Verfilmungen im Kino angekommen.
Um den mehr als zweifelhaften Inhalt und die Verherrlichung von Missbrauchsbeziehungen geht es an dieser Stelle nicht. Fakt ist aber, dass 50 Shades als Fanfiction von Twilight begann und dann mindestens ebenso erfolgreich wurde wie das große glitzernde Vorbild: Ana Steele und Christian Grey hießen früher Bella Swan und Edward Cullen; 50 Shades war als „Masters of the Universe“ bekannt. Allerdings kann es auch ganz anders laufen als in diesem Fall, denn die Figuren sind das geistige Eigentum des Autors, nicht des Fanfiction-Schreibers.

Was ist Fanfiction?

Fanfiction schreiben kann jederManche Fans eines Films, Buches oder einer Fernsehserie wollen mehr als das, was Autoren und Produzenten ihnen geben. Thematisch gibt es keine Eingrenzung, selbst zur Bibel gibt es zahlreiche Fanfiction. Ihre Autoren beschäftigen sich intensiv mit den Charakteren, spielen im Kopf Szenarien mit ihnen durch und fragen sich „was wäre, wenn?“. Kurzum, sie entwickeln eigene Geschichten mit den bekannten Figuren. Entgegen landläufiger Meinung geht es dabei nicht nur um erotische Inhalte, auch wenn diese durchaus öfter thematisiert werden.
Das Internet bietet dazu die ideale Plattform, um sich mit anderen Fanfiction-Autoren auszutauschen. Es gibt zahlreiche Portale und Foren, in denen sich Fans einer Serie oder bestimmter Charaktere austauschen. Ein komplexer Code gibt in Kurzform den Inhalt einer Geschichte an: Die Stimmung wird mit Schlagworten wie angst, humour, dark oder ähnlichem angegeben, „Name x Name“ gibt an, dass zwei Charaktere als Paar beschrieben werden, und ein Rating entsprechend dem amerikanischem Äquivalent der FSK-Angabe gibt an, wie explizit die Geschichte wird.
Lange Jahre waren Fanfiction ein Phänomen, das zwar den eingefleischten Fans bekannt war, aber in der Öffentlichkeit kaum beachtet wurde. Nach wie vor stehen Fanfiction in dem Ruf, bestenfalls mittelmäßig gut zu sein. Auch, wenn dies sicherlich auf einige zutrifft, gibt es aber doch Beispiele für sehr gute oder zumindest sehr erfolgreiche Fangeschichten. Die plötzliche Bekanntheit durch den Erfolg von 50 Shades gefällt nicht allen Fanfiction-Autoren, da einige sich nun damit konfrontiert sehen, ihr belächeltes Hobby rechtfertigen zu müssen.

Fanfiction, das große Geschäft?

Fanfiction sind nicht zwingend schlechtEigentlich ist es doch großartig, wenn man mit einer Fanfiction einen Bestseller schreiben kann, oder? Die Charaktere gibt es bereits, sie haben ein (wenn auch fiktives) Leben, ihre Hintergründe sind größtenteils bekannt und sie stecken mitten in einem Beziehungsgeflecht. Kurz gesagt: Sie sind spannende, vielschichte Persönlichkeiten, die bereits vielen bekannt sind. Ein Fanfiction-Autor kann also bereits auf das vorhandene Gefühl zurückgreifen, das seine Leser den Originalfiguren bereits entgegenbringen, und muss die Charaktere nicht erst von Grund auf neu entwickeln und präsentieren.
Selbst, wenn eine fangeschriebene Geschichte kein Bestseller wird, kann theoretisch jeder seine eigenen Fanfiction als eBook z.B auch Amazon anbieten. Das Internet macht es möglich, so ein großes Publikum zu erreichen.

Das leidige Thema Urheberrecht

Eine Sache darf der angehende Fanfiction-Bestseller-Autor aber nicht vergessen: Rechtlich bewegt er sich auf sehr dünnem Eis. In den USA gilt das „Fair Use“, wonach es unter Auflagen erlaubt ist, Fanfiction zu schreiben und öffentlich zugänglich zu machen. In Deutschland sieht es allerdings anders aus.

Werden existierende Charaktere verwendet und, wie im Fall von 50 Shades, lediglich umbenannt, sind es letztlich noch immer die Figuren des Autors, der sie erfunden hat. Und dieser verdient sein Geld mit ihnen, weshalb er es nicht akzeptieren muss, wenn jemand anders sich seiner Figuren bemächtigt und ebenfalls Geld damit verdient. Solange Fanfiction lediglich in Internet verbreitet werden, werden sich Verlage und Autoren sehr wahrscheinlich nicht darum kümmern. Wenn es um die kommerzielle Vermarktung einer Fangeschichte geht, kann es aber schon anders aussehen.

Schwierig wird es, wenn ein Fanfiction-Autor eigene Charaktere in eine Geschichte einbaut. Wenn diese Charaktere nicht ohne die Charaktere des Originalautors existieren können, also z.B. Marry Smith, eine junge Hexe, die Hogwarts besucht, gehören sie ebenfalls dem Autor der ursprünglichen Geschichte (in diesem Beispiel J.K. Rowling). Solange ein neuer Charakter in einer Fanfiction nur funktioniert, wenn er sich in der vom Originalautor erschaffenen Welt bewegt, gehört er dem Originalautor.

Was halten Autoren von Fanfiction?

Nicht jeder Autor mag Fanfiction zu seinen Büchern.Hier sind die Meinungen gespalten. Einige Größen wie G.R.R. Martin und Anne Rice halten nicht viel von Fanfiction und forderten ihre Fans auf, darauf zu verzichten. G.R.R. Martin fand sehr deutliche Worte, als er das Schreiben von Fanfiction als faul bezeichnete, weil diese Autoren lieber bereits existierende Werke nutzen, statt etwas Eigenes zu erschaffen. Er schätzt seine Charaktere, die er selbst erschaffen hat, und will nicht, dass andere sich ihrer bemächtigen.
J.K. Rowling und Stephenie Meyer hingegen haben keine Einwände gegen Fanfictions, solange diese im Internet bleiben. Sie sind ein Zeichen der Wertschätzung für den Autor und können eine gute Übung sein, selbst Erfahrung im Schreiben zu sammeln.
Letzten Endes muss aber immer jeder selbst entscheiden, ob er Fanfiction schreiben oder lesen will.

Liest oder schreibst Du Fanfiction? Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht? Wir freuen uns auf Dein Kommentar!

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Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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