Original oder Übersetzung – Was ist besser?

Fans von Autoren aus dem englischsprachigen Raum müssen oft einige Zeit auf die heiß ersehnte Übersetzung warten. Bei Bestsellern wie Harry Potter, A Song of Ice and Fire oder 50 Shades of Grey folgt eine Übersetzung schnell, aber je unbekannter ein Buch ist desto länger dauert es, bis eine Übersetzung erscheint – falls sie überhaupt erscheint. Lohnt es sich da nicht viel mehr, ein Buch gleich im Original zu lesen?

Original und Übersetzung – beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Was spricht für das Original?

Ich habe diese Liste mit dem Gedanken an englische Originale zusammengestellt. Die meisten Punkte treffen aber auch für Bücher in anderen Sprachen zu.

Es ist das unverfälschte Original

Dieser Punkt ist offensichtlich: Wer das Original liest, liest das Original. Man muss sich nicht über eine schlechte Übersetzung ärgern, wie z.B. viele Fans der „Lied von Eis und Feuer“ Reihe von G.R.R. Martin, die seit der zweiten Auflage über viele eingedeutschte Namen fluchen – Wenn man sich an Jon Snow und King’s Landing gewöhnt hat, will man nicht plötzlich von John Schnee und Königsmund lesen. (Unter uns: Weshalb sämtliche Eigennamen eingedeutscht wurden und nur Winterfell nicht übersetzt wurde, ist mir nach wie vor schleierhaft.)

Bis zur Übersetzung warten?

Auch, wenn eine Übersetzung noch einmal von Lektor überarbeitet wird, ehe sie tatsächlich erscheint, ist man hier nicht vor bösen Überraschungen gefeit. Wie furchtbar eine Übersetzung schief gehen kann zeigte sich an der Neuübersetzung des Herrn der Ringe vom Klett-Cotta Verlag, in der Sam Frodo auf einmal mit „Chef“ anspricht.

Natürlich kann eine Übersetzung nicht Wort für Wort stattfinden. Isabel Bogdan, eine Übersetzerin, veranschaulicht in ihrem Blog sehr anschaulich die Herausforderungen einer Übersetzung. Umso mehr ist man als Leser aber darauf angewiesen, dass die Arbeit und der Stil eines bestimmten Übersetzers einem auch gefällt.

Auch kleine Autoren bekommen eine Chance

Viele Bücher gerade kleiner Autoren oder englischsprachiger Selfpublisher werden gar nicht ins Deutsche übersetzt. Wer abseits des Verlagsprogramms wildert findet bald nur noch Bücher in der Sprache des jeweiligen Autoren. Hier bleibt einem nur die Wahl, auf ein Buch zu verzichten oder doch zum Original zu greifen.

Keine Wartezeit

Wahrscheinlich jeder Fan einer Bestseller-Serie kennt das Problem, dass ein neuer Band erscheint und er bis zur Veröffentlichung der Übersetzung versucht jedem Spoiler auszuweichen, um sich nicht die Überraschung zu verderben. Wer zu ungeduldig ist (oder Geschwister hat, die einem mit Spoilern drohen) kann zum Original greifen.

Kostenloser Fremdsprachenunterricht

Ein Wörterbuch für die ÜbersetzungEnglisch ist eine Weltsprache. Wer Englisch versteht und (leidlich) sprechen kann, hat Zugriff auf einen ungleich größeren Pool an Informationen, Geschichten und Kontaktmöglichkeiten als jemand, der kein Englisch spricht. Studenten müssen englische Fachartikel lesen, teilweise ihre Abschlussarbeiten auf Englisch schreiben und viele Unternehmen haben Kontakte ins Ausland. In kleinerem Maßstab trifft dies auch auf andere Fremdsprachen zu, aber Englisch ist in diesem Punkt herausragend.

Wer englische Bücher statt ihre Übersetzung liest, kann quasi nebenher sein Sprachgefühl verbessern, neue Worte lernen oder Übung darin bekommen, den Kontext eines Textes auch dann zu erfassen, wenn er einzelne Worte nicht kennt.

Was für die Übersetzung spricht

Natürlich hat nicht nur die Originalfassung eines Buches Vorteile. In einem Punkt ist die Übersetzung ihr nämlich voraus: der Sprache.

Nicht jeder Leser kann und will in einer Fremdsprache lesen. Auch, wenn man Englisch oder eine andere Sprache recht gut beherrscht, ist es mühsamer, einen Text darin zu lesen als die Übersetzung davon. Auch einfachere englische Texte lassen sich nicht so fließend lesen wie deutsche, und man stolpert doch immer wieder für Wörter, die einem unbekannt sind. Lesen soll insbesondere Spaß machen, und wer auf jeder Seite drei oder viermal das Wörterbuch zücken muss verliert schnell den Spaß an einem Buch. Kleinere Mängel in der Übersetzung fallen in den meisten Fällen nicht wirklich ins Gewicht und sind meist nur für die wirklich großen Fans ein Ärgernis.
Wie steht es mit Euch? Lest Ihr lieber das Original, wartet Ihr auf die Übersetzung oder entscheidet Ihr von Buch zu Buch?

photo credit: Happiness by Jennifer Murawski via photopin cc
photo credit: 05 Jan 2012 – Webster’s Improved Pronouncing Dictionary of the English Language by John Davey via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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