Das Buch war aber besser! Die Crux mit Buchverfilmungen

Jedes Mal, wenn ein Buch verfilmt wird, beginnt anschließend die Diskussion darüber, ob der Film an das Buch heranreicht, es vielleicht sogar übertrifft oder vollkommen das Ziel verfehlt. Gerade, weil die Fans der Bücher schon sehr genaue Vorstellungen haben, müssen Buchverfilmungen sich nicht nur vor den „normalen“ Filmkritikern beweisen, sondern auch mit dem oft noch kritischeren Publikum der Fans des Buches.

Aber wie kommt es, dass eigentlich keine einzige Buchverfilmung der literarischen Vorlage entspricht?

Buchverfilmungen sind Filme, keine Bücher

Was logisch klingt, ist zugleich der Schlüssel zu der ständigen Diskrepanz zwischen einem Buch und seiner Verfilmung. Beides sind vollkommen unterschiedliche Medien, die nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren. Das fängt damit an, das ein Film klare Bilder von den Figuren, der Landschaft und allen Ereignissen der Geschichte liefert, während der Leser eines Buches selbst bei der detailliertesten Beschreibung selbst alles verbildlichen kann (und muss).

Gleichzeitig kann ein Buch aber sehr viel dichter an das Empfinden und Denken der einzelnen Charaktere herankommen, in dem zum Beispiel Gedankengänge wie Monologe erscheinen oder Gefühle genau betrachtet werden. In Filmen wird dies bis auf wenige Ausnahmen nicht gemacht, so dass das Innenleben der Charaktere durch die schauspielerische Leistung dargestellt werden muss. Allerdings kann ein Film die Stimmung dezent durch Musik und Beleuchtung steuern, die oft gar nicht bewusst wahrgenommen werden.

FilmrolleNicht vergessen darf man, dass ein Buch mehrere Stunden Lesevergnügen bedeutet und man es als Leser beliebig oft zur Seite legen kann, um später weiterzulesen, während ein Film natürlich darauf ausgelegt ist, innerhalb weniger Stunden eine in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Serien oder Trilogien haben, sofern die Bücher nicht wirklich sehr umfangreich waren, deutlich mehr Spiel und müssen weniger Inhalte der Bücher weglassen.

Oft ist es für einen funktionierenden Film notwendig, dass Änderungen vorgenommen werden, um z.B. die Dramatik zu erhöhen oder um das Zielpublikum anzusprechen. Hätte Disney sich im Glöckner von Notre Dame an das Original gehalten, wäre der Film zumindest ganz sicher kein Kinderfilm geworden. Und die sehr beliebte Serie True Blood von HBO wäre kaum so erfolgreich geworden, wenn sie sich an die Bücher von Charlaine Harris gehalten hätte. 😉
Und, Hand auf’s Herz: Bei manchen Filmen ist man insgeheim froh, dass Teile des Buches weggelassen wurden. So begnadet Tolkien auch darin war, eine gigantische Welt inklusive mehrere Sprachen zu entwickeln, so umfangreich waren auch seine Beschreibungen dazu, die die Filme zu waren Monstren aus Landschaftsaufnahmen und Nebeninformationen aufgeblasen hätten, die kaum jemanden gefesselt hätten.
Eine schöne Gegenüberstellung solcher Unterschiede zwischen Buch und Film findet Ihr hier. Lasst Euch nicht davon verwirren, dass von Kinderbüchern die Rede ist – der Hobbit und Harry Potter sind ja ursprünglich auch Kinderbücher gewesen.

Wenn man sich wieder einmal über die vollkommen verhunzte Verfilmung des eigenen Lieblingsbuches ärgert, kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass das Buch und der Film zwei vollkommen verschiedene Sachen sind.

Kennt Ihr das Buch zum Film?

Jeder weiß, dass Peter Jacksons Herr der Ringe- und aktuell erscheinende Hobbit-Trilogie auf den entsprechenden Büchern von Tolkien basieren, ebenso sind Harry Potter und die Tribute von Panem Verfilmungen von Jugendbüchern.

Bei vielen Filmen ist den Zuschauern oft aber gar nicht bewusst, dass es eine literarische Vorlage gab. Beim Medicus und dem Parfum wurde zwar noch stark damit geworben, vermutlich, um gerade die Fans der Bücher in die Kinos zu locken. Aber wer weiß, dass auch der große Gatsby, der Zauberer von Oz, das letzte Einhorn oder die Disney-Filme der Glöckner von Notre Dame, das Dschungelbuch, die kleine Meerjungfrau und die Schöne und das Biest auf Geschichten und Büchern basieren? Auch American Psycho und Alice im Wunderland gab es zuerst in geschriebener Form.

Wer neugierig ist, wie viele Buchverfilmungen er bereits gesehen hat, ohne davon zu wissen, kann einmal in dieser Datenbank stöbern. Ich zumindest habe die eine oder andere Überraschung gefunden 😉

photo credit: 174706_film_reel_series by ScypaxPictures via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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Über Frauke Bitomsky

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1 Gedanke zu „Das Buch war aber besser! Die Crux mit Buchverfilmungen

  1. Das Entscheidende für eine gute Buchverfilmung ist, dass der Drehbuchautor das Buch verstanden hat und dessen Botschaft mit dem Regisseur filmisch umsetzt. Ein Beispiel für eine gelungene Romanverfilmung ist „Bridges in Madison County“ (Brücken am Fluss) von Robert J. Waller. Die Rolle des Sohnes und der Tochter von Francesca wurde neu definiert und überhöht, dafür das spätere Leben von Robert ausgespart. Das hat dem Film gutgetan und den Inhalt, die Botschaft des Romans, nicht berührt.
    Ein Negativbeispiel einer Romanverfilmung ist „The Mountain between us“ (Zwischen zwei Leben) von Charles Martin. Die Rollen der Protagonisten werden vertauscht, die Beziehung zwischen ihnen verwischen dadurch und sind nicht mehr emotional nachvollziehbar. Der Drehbuchautor und der Regisseur haben wohl versucht, ihre eigene, politisch korrekte Botschaft, zu transportieren und dadurch der wunderbaren schauspielerischen Leistung von Kate Windslet und Idris Elba geschadet.
    Was übrigens Wert ist, bemerkt zu werden, ist die Tatsache, dass bei Google der eigentliche Autor und der Drehbuchautor von Romanverfilmungen eine geringe Rolle spielen, wenn ein Roman verfilmt wurde. Für mich ist sowohl das inhaltliche Verbiegen von Romanen, wie auch die allgemein geringe Wertschätzung des Drehbuchautors, ein Zeichen dafür, dass der Geist eines Filmes weniger zählt als die Technik des Abdrehens und die Namen der Schauspieler.

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