Nichts gegen Fantasy! Der Eskapismus-Vorwurf

Eskapismus – gerade das Fantasy Genre muss immer wieder mit diesem Begriff kämpfen. Aber ist es wirklich nur eine Flucht vor dem Alltag, die Fantasy-Fans antreibt? Oder wird mit dem Eskapismus-Vorwurf nicht viel eher dem ganzen Genre Unrecht getan?

Eskapismus in der Literatur

Eskapismus bedeutet Realitäts- oder Wirklichkeitsflucht zugunsten einer imaginären schöneren Wirklichkeit. Problemen unserer realen Welt kann der Leser (oder Zuschauer) entkommen, indem er sich in eigene oder fremde Fantasien flüchtet. Eskapismus ist ein Begriff der Medienpsychologie, laut der Fantasy-Literatur wie eine Droge wirkt, die süchtig macht und Menschen verführt, ihre Bedürfnisse in Scheinwelten statt im realen Leben zu befriedigen.

Hintergrund dieser Vorwürfe ist, dass in der Fantasy-Literatur meist eine geschönte Version unseres Mittelalters gezeigt wird, in der die gesellschaftlichen Strukturen romantisiert und ein stark vereinfachtes Schwarz-Weiß-Bild von dem schönen Guten und dem hässlichen Bösen gezeigt wird. Durch die einfachen Strukturen sei es einfach, sich mit den Figuren zu identifizieren, während die Leser sich gleichzeitig der Komplexität tatsächlicher, realer Beziehungen und Strukturen verweigert.

Ist der Vorwurf berechtig?

EskapismusSo ziemlich jeder Autor von Fantasy-Büchern und -Geschichten musste sich schon mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass das Genre oberflächliche Unterhaltung für Kinder, Träumer und weltfremde Spinner ist und der Realitätsflucht dient. Insgesamt ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Lesen eines Fantasy-Romans immer auch bedeutet, dass man für einige Zeit die reale Welt hinter sich lässt und in eine fremde Welt eintaucht, die bis auf wenige Ausnahmen spannender ist als unsere Welt, die wir seit Jahren kennen. Aber wie so immer ist das Thema weitaus komplexer und kann aus mehreren Blickwinkeln betrachtet werden:

Fantasy ist kein neues Phänomen
So sind einige der größten Werke der klassischen Literatur Werke aus dem Bereich Phantastik und Fantasy: die Odyssee von Homer, Faust von Goethe, Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde, einige Stücke von Shakespeare (z.B. der Sommernachtstraum oder McBeth), Dracula von Bram Stoker, Frankenstein von Mary Shelly oder beide Alice-Bücher von Lewis Carroll. Tatsächlich sind Romane, die unsere reale Welt abbilden, sehr viel jünger als fantastische Geschichten. Magie, Elfen und Zwerge sind also kein neuer Trend, sondern haben eine jahrtausendealte Tradition – im Gegensatz zu „echten“ Literatur.

Jedes Buch ist Realitätsflucht
alte BücherAuch darf man nicht vergessen, dass letzten Endes die Realitätsflucht bei jedem Buch stattfindet. Auch Krimis und Thriller, Werke der Belletristik und Liebesromane entführen den Leser in eine ausgedachte Geschichte.
Das heißt aber nicht, dass dies zwangsläufig schlecht sein muss. Von Tolkien stammt folgendes Zitat:

„Wieso sollte jemand verachtet werden, der sich im Gefängnis befindet und versucht, herauszukommen und heimzugehen? Oder, sofern das nicht geht: wenn er über andere Themen nachdenkt und spricht als über Wärter und Kerkermauern?“

Für Tolkien war es also ein Recht jedes Menschen, seine Fantasie zu nutzen, für eine Auszeit von der realen Welt zu nehmen. Ein vernünftiger Ansatz, wie wir finden.

Nicht nur Fantasy ist (manchmal) oberflächlich
Und auch der Vorwurf, dass Fantasy-Literatur oberflächlich ist, gilt für jedes Genre. Es gibt zahlreiche schlechte Krimis und Liebesromane, die lediglich Klischees bedienen. Und ebenso gibt es viele gute Fantasy-Bücher, die tiefgründige Charaktere vorweisen und komplexe Plots besitzen.

Fantasy ist gleichwertig zu anderen Genre

Natürlich hat jeder Leser sein Lieblingsgenre, und jedes Genre hat eigene Stärken. Fantasy heißt nicht, dass Probleme unserer Welt nicht behandelt werden können. Viel eher bieten sich durch die Distanz zwischen den fantastischen Welten und unserer Wirklichkeit Möglichkeiten, auch ernste Themen wie Rassismus und Krieg zu behandeln, ohne dabei Menschen und Bevölkerungsgruppen vor den Kopf zu stoßen. Und nicht zuletzt sind Themen wie Freundschaft, sich Schwierigkeiten zu stellen oder Opferbereitschaft, um ein Ziel zu erreichen, an einzelne Genre gebunden.
Zusammengefasst kann man also Folgendes festhalten: Mit Fantasy-Büchern tauchen die Leser in fremde Welten ab, was als Eskapismus verstanden werden kann. Aber weder sind alle Fantasy-Bücher oberflächlich, noch findet sich die Realitätsflucht ausschließlich im Bereich der Fantasy.

photo credit: My Escapism by Olivia Alcock via photopin cc
photo credit: La bibliothèque humaniste de Beatus Rhenanus / Humanist Library of Beatus Rhenanus by Alexandre Dulaunoy via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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