Fantasy-Bücher: Wollen wir eigentlich etwas Neues lesen?

Jedes Genre ist Veränderungen unterworfen, die auch die Entwicklung unserer Gesellschaft wiederspiegeln. Was für die Leser von Edgar Allen Poe über alle Maße gruselig war, wird heute wahrscheinlich nicht mehr so leicht Angstschauer auslösen. Autoren stehen vor der Herausforderung, uns Lesern immer wieder etwas Neues zu bieten. Aber wie neu soll eine Idee sein, ohne zu neuartig zu werden?

Klischees und der Standardkanon

Auch, wenn im Bereich der Fantasy-Bücher eigentlich alles möglich ist, haben viele Leser ein einigen Dingen doch eine bestimmte Erwartung, die sie (unbewusst) erfüllt sehen wollen. Ein gutes Beispiel dafür sind die verschiedenen Fantasy-Rassen. Tolkien hat maßgeblich das Bild von Elfen definiert, während neben Bram Stoker z.B. auch Anne Rice das Bild des Vampirs stark geprägt hat.
Sicherlich hat jeder Autor seine eigene Variante der verschiedenen Fantasy-Rassen, aber in einigen grundlegenden Punkten gleichen sie sich meistens: Elfen sind schlank, meist großgewachsen, haben spitze Ohren, sind sehr langlebig oder unsterblich und haben einen Hang zu filigraner Kunst, Musik und Gesang. Zwerge sind klein und stämmig, sind zähe Krieger, meist mit einer Axt bewaffnet und leben unterirdisch, wo sie Edelmetalle und –steine abbauen. Dies sind ohne Frage Klischees, aber das muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein.

Klischees sind auch nützlich

Klischees haben für Leser und Autoren Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, dass sie lange Beschreibungen überflüssig machen können. Dadurch, dass nahezu jeder Leser inzwischen ein zumindest ungefähres Bild der „klassischen“ Fantasy-Rassen im Kopf hat, müssen nur Abweichungen von diesem Standardkanon näher beschrieben werden. Durch das Gefühl, diese Rassen bereits zu kennen, entsteht ein Gefühl der Vertrautheit, das es uns Lesern ermöglicht sich leicht in eine Geschichte hineinzuversetzen.

Allerdings haben Klischees natürlich auch Nachteile. Der offensichtlichste ist sicherlich, dass sie schon unzählige Male verwendet wurden und deshalb langweilig und ausgelutscht sind. Wenn der x-te Magier mit langem Bart, spitzem Hut und Magierrobe erscheint ist das alles andere als innovativ und neu. Damit Klischees die Leser nicht langweilen, müssen Autoren sie aufbrechen und mit immer wieder neuen Elementen versehen.

Fantasy-Bücher: Schwierigkeiten mit neuen Ansätzen

Abweichungen vom Standardkanon können spannend und neu sein. Sie können ein Buch Fantasy-Bücher: Wollen wir eigentlich etwas Neues lesen?zu einem Bestseller machen, aber gleichzeitig auch viele Leser abstoßen. Ein Autor, dessen Elfen brutale und dumme Schläger sind, die zu Fettleibigkeit neigen, wird es sicherlich sehr schwer haben, ein größeres Publikum anzusprechen, auch wenn einige Leser einer so neuen Idee vielleicht etwas abgewinnen können.
Manchmal geschieht auch beides zugleich und neue Ideen begeistern die Leser und stoßen gleichzeitig ebenso welche ab. Ein Beispiel dafür ist die Biss-Reihe von Stephenie Meyer: Die einen Leser sind begeistert von Meyers Vampiren, während die anderen Leser ihre Vorstellungen der düsteren Blutsauger überhaupt nicht in ihren Büchern wiederfinden.

Ob eine neue Idee einer großen Leserschaft gefällt, kann man im Vorfeld nur schwer abschätzen. Mit ein wenig Geduld kann aber jeder Leser genau die Fantasy-Bücher finden, die genau die Mischung aus bekannten und vollkommen neuen Elementen haben.

photo credit: wallpaper – The ISLAND by Baltasar Vischi via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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Über Frauke Bitomsky

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2 thoughts on “Fantasy-Bücher: Wollen wir eigentlich etwas Neues lesen?

  1. bei den Elfen gibt es ja auch einige andere varianten:
    Die Dark Eldar im Warhammer-Universum
    oder
    die Scoiátel im Hexer-Universum

    1. Ja, das stimmt. Und glücklicherweise muss ich sagen. Ich mag es, wenn von einem Fantasy-Volk von verschiedenen Autoren verschiedene Aspekte betont werden, bis jeder Leser „seine“ Version davon finden konnte.

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