Buchinterpretation: Es ist alles nur ein Traum, oder?

Ich mag eine gute Buchinterpretation. Nicht die, die man in der Schule schreiben musste. Sondern eine, die von einem Fan entwickelt wurde und manchmal wirklich abstruse Gedankengänge ausführt, die sich auf der einen Seite wie totaler Quatsch anhören, aber gleichzeitig in sich vollkommen logisch sind.
Beispiel gefällig? Hier: Harry Potter handelt von psychischen Problemen.

Harry Potter = Sucker Punch?

Ich muss zugeben, mich hat die Theorie, dass Harry Potter kein Magier ist, sondern eigentlich psychische Probleme hat, gleich an den Film Sucker Punch erinnert. Und grundsätzlich ist die Idee, dass ein Charakter sich in eine Fantasywelt flüchtet, um mit Problemen umzugehen, die ihn zu überwältigen drohen, auch nichts Neues. Ich persönliche finde solche Gedankenkonstrukte sehr spannend, da sie einen ganz neuen Blick auf ein Buch geben können. Und auch, wenn ich dieser Buchinterpretation des Zauberlehrlings nicht glaube, war sie interessant zu lesen.

Buchinterpretation, Serieninterpretation, Filminterpretation…

Buchinterpretation_Magie oder EinbildungNicht nur Bücher werden immer wieder Ziel einer solchen Interpretation. Auch Serien wie Pokémon wurden schon „Opfer“, wie die Theorie um das Koma der Hauptfigur der Animeserie zeigt. Filme wie der oben genannte Sucker Punch oder auch Pans Labyrinth spielen ganz bewusst mit diesem Thema.

Insgesamt scheint dieses Phänomen besonders häufig im Fantasy-Bereich aufzutauchen. Zumindest habe ich noch nie von der Theorie gehört, dass der Inspektor in einem Krimi sich nur einbildet, einen Mord zu lösen, und eigentlich im Koma liegt. Es scheinen fast immer die fantastischen Elemente zu sein, die sich in unsere reale Welt mische, die die Theorien entstehen lassen, dass der Held der Geschichte sich in eine Traumwelt begibt.

Wie kommt man auf solche Ideen?

Was prädestiniert eine Geschichte dazu, Ziel einer solch eher ungewöhnlichen Buchinterpretation zu werden? Wie schon gesagt ist es oft der Bruch der realen Welt, wenn plötzlich magische Dinge geschehen. Ist die Welt von vornherein magisch, scheinen solche Theorien eher abwegig zu sein. Oder anders gesagt: Niemand ist auf die Idee gekommen, zu sagen, dass Bilbo gestolpert ist, sich den Kopf anstieß und die Reise zum einsamen Berg nur erträumt hat. Wäre Bilbo im realen Leben aber ein Büroangestellter gewesen, der plötzlich Besuch von einem Zauberer und Zwergen erhält, wären sicherlich viele Theorien darüber entstanden, weshalb er sich diese fantastische Reise einbildet.
Passieren in einer Geschichte also Dinge, die sich scheinbar nicht in das normale Gefüge der Welt einpassen wollen, lässt das manche Leser Theorien darüber entwickeln, dass die Hauptfigur sich das Erlebte einbildet, um mit Problemen im realen Leben fertig zu werden.

Buchinterpretation des realen Lebens

Dass solche Theorien entstehen, ist verständlich. Beginnt eine Geschichte in der realen Welt, setzen wir voraus, dass in eben dieser realen Welt keine Magie existiert. Taucht diese doch plötzlich auf, können wir dies akzeptieren – schließlich ist es ein Buch und damit eine erfundene Geschichte – doch erinnert das auch daran, dass Menschen sich oft in Fantasiewelten flüchten, wenn sie mit der realen Welt nicht fertig werden. Also ist so eine etwas eigenwillige Buchinterpretation nicht unbedingt nur an den Haaren herbeigezogen.
In diesem Konzept findet sich das Element der Heldenreise wieder: Der Held wird aus seiner vertrauten Welt herausgerissen und mit einer beschwerlichen Reise konfrontiert, während der er wächst und die Fähigkeiten erlernt, sich gegen seine Probleme zu behaupten.

Oft finden sich in den magischen Abschnitten der Geschichte viele Symbole und Figuren, die im Bezug zu den Problemen des Helden „im realen Leben“ hindeuten. Als Beispiel kann man das kinderfressende Monster aus Pans Labyrinth nehmen, das durch die Kameraführung identisch zum grausamen Stiefvater der Heldin Ofelia gezeigt wird. Gerade diese Symbole für die „realen Probleme“ führen dazu, dass die magischen Erlebnisse als fantastische Art der Problembewältigung gesehen werden können. So kann der kleine Junge, der in der Schule gehänselt wird, in seinen fantastischen Träumen als Ritter losziehen und einen Drachen besiegen, der Ähnlichkeiten zu seinen Peinigern in der Schule hat.

Über welche besondere Buchinterpretation bist Du schon gestolpert, oder hast Du sogar selbst eine erdacht? Dann teile sie mit uns – wir sind gespannt!

photo credit: Empty Cage by Hartwig HKD via photopin (license)

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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