Kann man vom Bücher schreiben eigentlich leben?

Autor zu sein klingt für viele nach einem Traumberuf. Viele Menschen sind überzeugt auch selbst ein Buch schreiben zu können, wenn sie nur wollten. Erfolge wie Harry Potter, Twilight oder 50 Shades of Grey beflügeln dabei die Fantasie, da sie beweisen, dass jeder einen Bestseller landen und furchtbar reich werden kann. Gute Ideen gibt’s ja immerhin wie Sand am Meer.

Aber ist es tatsächlich so einfach, durch Bücher schreiben genug zum Leben zu verdienen?

Der Traumberuf “Bücher schreiben” bleibt oft nur ein Traum

Keine Bürozeiten, Ausschlafen, nebenher ein bisschen schreiben und dann einen Bestseller pro Jahr herausbringen. Zwischendurch besucht man die eine oder andere Lesung und gibt Autogramme in Buchläden, Interviews in Zeitungen und bekommt Preise. Das wäre in der Tat ein schönes Leben, das sich genießen ließe – wenn es denn so einfach wäre.
Die Wahrheit sieht sehr viel weniger schön aus. In Deutschland können schätzungsweise nur 100-200 Autoren von ihren Büchern leben, während der Rest einen zweiten Job braucht, um genug Geld zu verdienen. Für die meisten Autoren sind ihre Bücher also vielleicht ein Nebenverdienst und eine Leidenschaft, aber kein Beruf mit dem sie ihr Leben oder sogar eine Familie finanzieren können.

Ohne Mathe läuft es nicht

Kann man vom Bücher schreiben eigentlich leben?

Das zeigen z.B. die Zahlen aus dem Artikel “Hungernde Poeten” der taz: Wird ein Buch 5.000 bis 15.000 mal verkauft, sprechen Verlage von einem großen Erfolg; 100.000 verkaufte Exemplare sind schon ein außerordentlich erfolgreicher Bestseller und nicht die Regel.

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Pro verkauftem Buch erhält ein Autor in einem Verlag 5-8% des Ladenpreises (ohne die Mehrwertsteuer). Ist er ein bekannter und erfolgreicher Autor, kann er vielleicht noch ein paar Prozent heraushandeln und landet bei 10% Beteiligung. Kostet das Buch im Laden 20€ und wird 15.000-mal verkauft, erhält der Autor davon ungefähr 30.000€. Mit dem größten Teil der restlichen Einnahmen finanziert der Verlag die Produktions- und Lagerkosten und die Gehälter der Verlagsangestellten. EBooks sind dabei für einen Verlag nur geringfügig billiger als Bücher aus Papier, da auch eBooks lektoriert und dann technisch aufbereitet werden müssen.

Von diesen 30.000€ muss der Autor noch Steuern und Sozialversicherungen zahlen, so dass vielleicht 22.500€ übrig bleiben. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass in einem Buch, dass auch so gut ist, dass es sich so oft verkauft, ein oder eher zwei Jahre Arbeit stecken, wird deutlich, weshalb nur wenige Autoren im Geld schwimmen.
Nach Angaben der Künstlersozialkasse liegt das durchschnittliche Jahresgehalt der 3.165 dort versicherten Autoren bei 13.588€, wobei Frauen im Schnitt noch einmal 2.833€ weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Mehr Geld für Selfpublisher?

Wer seine Bücher im Eigenverlag veröffentlicht, kann sich natürlich über deutlich höhere Tantiemen freuen als die Autoren, die in einem Verlag untergekommen sind. Je nach dem gewählten Verkaufspreis bleiben einem Autor so (noch) z.B. bis zu 70%, was sich auch bei im Vergleich zu „echten“ Büchern geringen Preisen wie 2,99€ bemerkbar macht. Allerdings sind solch verhältnismäßig niedrige Preise auch nötig, da sich wohl kaum ein Leser für 10-20€ die Bücher eines Indie-Autoren kaufen würde.

Allerdings bleibt das gesamte Marketing am Selfpublisher hängen. Während ein Verlag schon aus Eigeninteresse möchte, dass verlegte Bücher sich verkaufen, ist es Amazon relativ egal, wie erfolgreich ein Indie-Autor mit seinen Büchern ist. Für Selfpublisher liegen noch weniger Zahlen vor als für Autoren in Verlagen, aber 500€ Gewinn kann durchaus schon als Erfolg gefeiert werden. Sehr viel seltener ist eine vierstellige Gewinnsumme.

Natürlich gibt es auch hier die herausragenden Ausnahmen, aber sie sind genau das: Ausnahmen. Die allermeisten Selfpublisher können nicht vom Schreiben leben.

In meinen Augen erleichtern es diese Zahlen ein wenig, beim nächsten Gang in den (virtuellen) Buchladen die verlangten 10-20€ für ein Buch zu bezahlen. Gerade größere Bücherkäufe machen sich noch immer im Geldbeutel bemerkbar, aber für ein gutes Buch zahlt man als Leser ja auch gerne, damit der Autor nicht verhungert, ehe er das nächste Buch fertigstellen kann 😉

Seid Ihr selbst Autoren oder habt Ihr in Eurem Freundeskreis jemanden, der schon im Selbstverlag seine Bücher verkauft hat? Habt Ihr schon Erfahrungen mit den Verdiensten von Autoren gemacht?

photo credit: Typewriter B/W….now write the story. by THOR via photopin cc

Über

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.