Damals und heute: Weibliche Charaktere in den Medien

Keine gute Geschichte kommt ohne überzeugende Charaktere aus, mit dem der Leser oder Zuschauer sich identifizieren kann. Durch die schier unendliche Menge an Büchern und Filmen gibt es eine mindestens ebenso große Zahl verschiedenster Figuren. Aber sieht es in der Welt der fiktionalen Charaktere wirklich so vielseitig aus, oder gibt es gerade bei den Frauen noch Aufholbedarf?

Dieser Artikel von Amanda Topping auf ReapMediazine geht ausführlich auf diese Frage ein. Der Artikel bezieht sich zwar nicht nur auf Bücher, sondern auch auf Filme und Serien, aber da weibliche Charaktere in Büchern und Filmen ein interessantes Thema sind, möchten wir trotzdem einige Punkte daraus wiedergeben.

Die Ungleichheit in Film und Literatur

Die New York Film Academy hat eine Studie über die Topp 500 Filme von 2007 bis 2012 veröffentlicht, die sehr deutlich ein Ungleichgewicht zwischen den weiblichen und männlichen Rollen dieser Filme zeigt – nicht nur vor den Kulissen. Hier findet Ihr den Artikel und eine Infografik mit den Ergebnissen.

Leider gibt es keine solche Statistik, die sich auf den Büchermarkt konzentriert. Da es heute keine große Schwierigkeit mehr ist auch Bücher zu veröffentlichen, die sich nur an eine kleine Leserschaft richten, kann es durchaus sein, dass in der Bücherwelt bereits eine gewisse Gleichberechtigung gibt. Um zu sagen, ob sich diese auch in den Top 500 Büchern von 2007 bis 2012 wiederspiegelt, bräuchte es allerdings doch eine statistische Auswertung.

Frauen – Damals und heute

Viele große Frauencharaktere wurden im späten 18. Bis zum frühen 20. Jahrhundert geschrieben. Jane Austen und Charlotte Bronte schufen zwar keine Lara Crofts, aber dafür vielschichte und „echte“ Charaktere. Obwohl sie in die damalige Gesellschaft eingefügt sind, glänzen sie durch ihre Stärken und Schwächen, wodurch sie auf den Leser real und eben „echt“ wirken.

Im frühen 20. Jahrhundert wurde dann ein Schritt zurück gemacht. Während die Frauen auf der einen Seite das Wahlrecht bekamen, wurden sie im aufkommenden Film zunehmend zum Opfer, der Jungfrau in Nöten, die ohne männliche Hilfe quasi nicht lebensfähig war. Wer von uns kennt nicht das Filmklischee der Frau, die vor einem Unhold oder Monster flüchtet, stürzt und sich den Knöchel verstaucht und nur dank des Helden gerettet wird? Die Charaktertiefe dieser Rollen war entsprechend flach.

Erst nach und nach entwickelte sich die Rolle der weiblichen Charaktere in den Medien weiter. Das bekannteste Beispiel dürfte Prinzessin Leia aus Star Wars sein, deren Darstellerin Carrie Fisher treffend sagte: „I was not a damsel in distress. I was a distressing damsel.“
Dieses Bild hat sich weiterentwickelt, so dass wir heutzutage sehr vertraut mit physisch starken Frauen sind, die sich selbst aus Schwierigkeiten retten und auch ohne männliche Hilfe sehr gut zu Recht kommen.

Starke Frauen und „echte“ Frauen

Es ist wirklich gut, dass sich das Frauenbild in den Medien von der Jungfrau in Nöten weiterentwickelt hat und es heutzutage eine große Bandbreiter starker Frauencharaktere gibt, die mindestens ebenso sehr anpacken können wie die männlichen Charaktere. ReapMediazine führt allerdings auf, dass trotz (oder gerade wegen) dieser Entwicklung noch ein ganzes Stück Entwicklung geschafft werden muss, ehe die weiblichen Charaktere da ankommen, wo die männlichen bereits sind.

Denn auch, wenn das Attribut der physischen Stärke nicht bedeutet, dass ein Charakter flach sein muss, werden die meisten starken Frauencharaktere genau darauf beschränkt, stark zu sein. Neben der Jungfrau in Nöten ist so das nächste Klischee entstanden: Die starke Amazone oder Kriegerin, die draufhaut und den Tag rettet. Dabei ist dies nicht feministisch, sondern macho.

Dass es auch anders geht zeigen tiefgründige Charaktere, die stark und gleichzeitig verletzlich sind: Buffy ist ein solches Beispiel eines (physisch) starken Charakters, der trotzdem deutliche Schwächen und dadurch Tiefe hatte. Ein anderes Beispiel eines bekannten und vielschichten weiblichen Charakters ist Hermine aus den Harry Potter Büchern: Sie ist klug und ehrgeizig, und auch als sie sich in Ron verliebt wird sie nicht über ihre Beziehung zu diesem definiert, sondern bleibt auch weiterhin ein eigenständiger Charakter.

Stärke alleine reicht nicht aus, um überzeugende, „echte“ Charaktere zu schaffen. Eine Frau darf auch mal von einem Mann gerettet werden, falsche Entscheidungen treffen und nicht weiterwissen, uncool sein und ein ganz eigenes Sortiment an Problemen oder Psychosen haben, und dennoch kann sie ein starker und überzeugender Charakter sein.

Quo vadis?

Es scheint noch ein weiter Weg zu sein, bis wir in den Medien mehr vielschichtigen weiblichen Charakteren begegnen werden. Es gibt bereits gute Beispiele für ausgearbeitete, tiefgründige weibliche Charaktere, aber wir wollen mehr davon. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch viel mehr über Frauen aller Art lesen können: starke und schwache, freche und scheue, junge und alte, kluge und dumme – schlichtweg die ganze Bandbreite.

Wir hoffen, dass diese spannenden weiblichen Charaktere Einzug in Film und Fernsehen halten werden und uns zusammen mit ebenso tiefgründigen männlichen Charakteren viele schöne Lese-, Kino- und Fernsehstunden bescheren werden. Sie sollen nicht besser sein als die männlichen Charaktere und diese abhängen, sondern gleichwertig sein und aufschließen.

 

Was ist Euer Eindruck von den weiblichen Charakteren, denen Ihr in den Medien und insbesondere in der Bücherwelt begegnet? Seht Ihr diesen Punkt ebenso wie Amber Topping von Reapmediazine, oder seid Ihr anderer Meinung?

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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