Geschichte des Buches, Teil 7: Unterhaltungsliteratur – damals bis heute

Nachdem dank Gutenberg Bücher bezahlbar in großer Zahl gefertigt werden konnten, entwickelte sich der Buchmarkt rasant und es wurde zunehmend auch Unterhaltungsliteratur verbreitet. Es konnte sich ein immer größeres Lesepublikum Bücher leisten, und dieses Publikum wollte mehr als nur die Bibel und wissenschaftliche Abhandlungen lesen. Der Roman wurde geboren.

18. Jahrhundert: Unterhaltungsliteratur für Jedermann

Der Trend, Bücher zunehmend nicht mehr in Latein, sondern auf Deutsch zu drucken, hielt weiter an. Immer mehr Leute kamen zum Buch und lernten lesen. Im Zuge der Aufklärung richtete sich die Unterhaltungsliteratur mehr und mehr nicht mehr nur an die gehobenen Gesellschaftsschichten, sondern zunehmend auch an das Bürgertum. Da durch die Schulpflicht immer mehr Leute lesen konnten und wollten, witterten Verlage und Autoren ein großes Geschäft und stellten sich auf das neue Publikum ein.

Bis 1800 traten religiöse Erbauungsschriften immer mehr in den Hintergrund. Gleichzeitig haben neue Gattungen der Literatur wie der Roman, flankiert von den schönen Künsten und der Wissenschaft, richtig an Fahrt aufgenommen. Wie erfolg- und einflussreich gerade Romane waren zeigt sich am Beispiel von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, der den „Werther-Effekt“ nach sich zog: Viele Leser eiferten Werther nach, es kam zu Suizidversuchen und Suiziden. 1740 machten Romane bereits 5% aller Neuerscheinungen aus.

Was ist überhaupt Unterhaltungsliteratur?

Unterhaltungsliteratur ist sehr beliebtDer Duden definiert Unterhaltungsliteratur als „Literatur, die (meist ohne besonderen literarischen Anspruch) unterhaltend ist“. Was ein wenig abwertend klingt, fügt sich in ein Modell aus drei Schichten ein, das 1965 von Faultin entwickelt wurde. Bis dahin wurde nur unterschiede zwischen Hoch- und Trivialliteratur, wobei Unterhaltungsliteratur zur zweiten Schicht gehörte. Faultin schob zwischen die Unterhaltungsliteratur als mittlere Ebene ein, so dass wir heute Dichtung und Hochliteratur, Unterhaltungsliteratur und Trivialliteratur haben.

Die Unterhaltungsliteratur taucht in verschiedenen Gestalten auf, ganz vorne weg in Form von Romanen verschiedenster Genres von Briefromanen über Krimis zu Science Fiction. Daneben gehört aber auch das Drama und einige Bereiche der Lyrik dazugehören.

Insgesamt erweist sich die Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Literatur als schwierig, da Faultin vielleicht das Schwarz-Weiß-Schema durch sein Dreistufenmodell aufgelockert hat, die Übergänge zwischen aber nun so fließend sind, dass eine klare Einteilung nur bedingt möglich ist.

Jeder wollte täglich lesen

Groschenromane sind UnterhaltungsliteraturDie Entwicklung am Buchmarkt ging rasant weiter. Es kam Tagesliteratur auf, in Form von Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts populär wurden. Ebenfalls beliebt im 18. und 19. Jahrhundert waren Almanache. Mit dem 20. Jahrhundert kamen die Groschenheftchen hinzu, die nach 1945 noch einmal einen Aufschwung erlebten. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Taschenbücher auf, die den Büchermarkt weiter revolutionierten – sie waren billiger als Bücher mit Hardcover.

Im letzten Jahrhundert kamen weniger neue Gattungen von Büchern hinzu, sondern es fand viel mehr eine Entwicklung verschiedener Genre und Subgenre statt, die heute das Angebot unserer Buchhändler bereichern. Wer heute mit der Vorstellung „einen Fantasyroman“ zu kaufen in die Buchhandlung geht kann ein Lied davon singen – High Fantasy, Low Fantasy, Dark Fantasy, Urban Fantasy, Science Fiction, Mystery Fantasy… Die Auswahl ist unendlich groß.

Unsere Reise durch die Geschichte des Buches endet mit diesem 7. Teil. Es kann sicherlich noch deutlich mehr zu jedem einzelnen Bereich geschrieben werden, aber das hätte vermutlich den Rahmen gesprengt. Wir hoffen, dass Ihr ebenso viel Spaß mit der Reihe hattet wie wir uns vielleicht sogar genau wie wir das ein oder andere Neue erfahren habt.

photo credit: heart in pages by Vincent Lock via photopin cc
photo credit: New Buffalo Bill Weekly, Issue 267 – Buffalo Bill and the Apache Kid by leiris202 via photopin cc

Frauke Bitomsky

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.

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