Fantasy: Ein faszinierendes und vielschichtiges Genre

Als eigenständiges Genre ist Fantasy noch sehr jung. Seine Wurzeln aber reichen viel weiter zurück, und viele Aspekte alter Volkmärchen und Legenden findet sich heute wiedergeboren in modernen Büchern. Eine Vielzahl von Genres versucht das bunte Durcheinander zu ordnen, stößt dabei aber nur allzu oft an seine Grenzen.
In diesem Artikel versuchen wir, einen Überblick über dieses weite Feld zu geben und vielleicht ein paar bisher eher unbekannte Orte zu finden.

Fantasy durch die Geschichte

Den Ursprung findet Fantasy als Subgenre der Phantastik, die wiederum aus Mythen, Legenden und Sagen entstanden ist. In den großen Götter- und Heldensagen der Römer und Griechen gibt es Elemente, die sich auch in heutigen, modernen Fantasy-Romanen finden.
Im 18. Jahrhundert wurden Unterhaltungsromane populär. Edgar Allen Poe und ETA Hoffmann waren die ersten, die auch phantastische Elemente in ihre Romane einbauten. Gerade Poe ist bekannt für seine düsteren Schauergeschichten, in denen er auch das Übersinnliche beschreibt. Einige der bekanntesten Autoren und ihre Klassiker können dieser Anfangszeit des Fantasy zugeordnet werden: Mary Shelley (‚Frankenstein‘), Bram Stoker (‚Dracula‘), Jules Verne (‚Reise um die Erde in 80 Tagen‘, ‚Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer‘ oder „Reise zum Mittelpunkt der Erde‘) oder Oscar Wilde (‚Das Bildnis des Dorian Gray‘).

Fantasy als eigenständiges Genre

Als Vater des Fantasy als eigenem Genre gilt JRR Tolkien, dessen Werke ‚Der Herr der Ringe‘ und ‚Der Hobbit‘ überaus erfolgreich von Peter Jackson verfilmt wurden und werden. Auch heute führen noch viele Autoren Tolkien als Vorbild oder Inspirationsquelle an. Seit den 60ern entwickelten sich verschiedene Ausprägungen des Genres, aus denen die verschiedenen Subgenre wie High und Low Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy und viele mehr entstanden.

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Allen Subgenres gemein ist, dass Fantasy-Geschichten mehr oder weniger offensichtlich Elemente enthalten, die in unserer realen Welt nicht existent sind. Das kann von Fantasy-Rassen wie Elfen und Zwergen über Magie und übernatürlichen Phänomenen bis hin zu erfundenen Welten reichen.

Ein paar Subgenres im Schnelldurchlauf

Die Grenzen zwischen den verschiedenen Subgenres sind fließend. Und nicht zuletzt gibt es eine große Zahl von Autoren, die ihre Geschichten genreübergreifend anlegen und damit großen Erfolg haben. Einen groben Überblick mit den gängigsten Definitionen will ich trotzdem bieten:

High oder Epic Fantasy
Das Hauptmerkmal dieses Subgenres ist, dass Magie in großem Maßstab vorhanden ist und sowohl von den Pro- als auch den Antagonisten genutzt wird. Auch nichtmenschliche Rassen wie Elfen, Zwerge oder Orks sind vertreten. Die Welt, in der die Geschichten sich abspielen, sind fantastisch und zumeist mittelalterlich gestaltet. Kernpunkt der Geschichten ist der epische Kampf zwischen Gut und Böse, in dem zumeist das Schicksal eines Kontinentes oder der ganzen Welt auf dem Spiel steht. Die Charakterrollen sind meistens festgelegt: Es gibt die Helden und ihre Gegenspieler. Auch, wenn einzelne Charaktere im Verlauf der Geschichte die Seiten wechseln können, gibt es keine oder kaum Figuren, die sich zwischen diesen beiden Polen bewegen.
Tolkien hat mit seinen Werken dieses Genre geprägt.

Low Fantasy
Dieses Genre ist das Gegenstück zu High Fantasy. Es gibt keine oder nur sehr wenig Magie und nichtmenschliche Rassen. Auch ist der Kampf zwischen Gut und Böse weniger stark ausgeprägt und die Charaktere weniger leicht einer der beiden Gesinnungen zuzuordnen, da viele Figuren sich zwischen diesen beiden Polen bewegen.
Sehr oft überschneidet sich dieses Subgenre mit dem der historischen Romane, wie es z.B. in Diana Galbadons Highland-Saga ‚Feuer und Stein‘ oder den ‚Avalon‘ Büchern von Marion Zimmer Bradley der Fall ist.

Sword and Sorcery
Dieses Subgenre ähnelt Low Fantasy in den Punkten, dass es kaum Magie und Fantasy-Rassen gibt. Wenn Magie auftaucht meistens auf Seiten der Antagonisten, während der Protagonist zumeist ein einsamer Held ist, der sich alleine der Gefahr stellen muss. Ein klassisches Beispiel dieses Subgenres ist ‚Conan, der Barbar‘.

Science Fantasy
Science Fantasy ist eine Mischung aus Science Fiction und Fantasy, wobei jedes der Fantasy-Subgenres in dieser Mischung auftreten kann. Neben den technischen Elementen des Science Fiction tauchen auch magische Elemente des Fantasy auf. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist ‚Star Wars‘ von George Lucas.

Urban Fantasy
In Büchern dieses Subgenres dringen phantastische Elemente in unsere reale oder realhistorische Welt ein. Das bekannteste Beispiel dafür dürften die ‚Harry Potter‘ Bücher von JK Rowling sein, aber auch ‚Lycidas‘ von Christoph Marzi gehört in diese Kategorie.

Dark Fantasy
Bücher dieses Subgenres zeichnen sich durch einen starken Horroreinschlag aus. Vampire, Werwölfe und Mumien sind die bekanntesten Vertreter der schaurigen Gestalten. Während diese Kreaturen in den früheren Büchern dieses Genres durchweg als Antagonisten auftraten, sind sie seit einigen Jahren als Protagonisten sehr beliebt, so dass eine Vielzahl von Büchern auf den Markt kam, in dem Vampire und Gestaltwandler die Hauptrolle übernahmen.
Oft kommt es zu Überschneidungen von Dark und Urban Fantasy.
Sicher gibt es noch eine große Zahl weiterer Subgenres, doch eine vollständige Liste (so man eine solche überhaupt zusammenstellen kann), würde an dieser Stelle eindeutig den Rahmen sprengen. Für einen Überblick über das weite Feld des Subgenres ist diese Aufstellung auf jeden Fall vollkommen ausreichend.

Über

Frauke Bitomsky ist Teil des Teams von Liber Laetitia. Wir zeigen Autoren, wie sie sich und ihre Bücher effektiv, zeitsparend und rechtssicher im Social Web präsentieren können.